HOMEFULL METHODOLOGY

Copyright Elisabeth Handl, 2017

In einer Zeit, in der Heimat-Begrifflichkeiten eine Konjunktur erleben, und wir uns gleichermaßen in sozioökonomischen Herausforderungen mit der Komplexität dieses schwer zu konkretisierenden Begriffes HEIMAT konfrontiert sehen, braucht es neue Fragestellungen. Fragen, die unsere Konventionen und Selbstverständlichkeiten neu beleuchten, die uns emotional berühren, die uns erlauben neue Perspektiven zu finden und die eine Atmosphäre schaffen, welche das Denken in den Grenzen des Status Quo aufbricht und neue Wege des Lernens für ein zukünftiges Miteinander öffnet.

Heimat als Dach über dem Kopf, Heimat als Gefühl, Heimat im Mutterland, Heimat als ökologisches Bewusstsein, Heimat zwischen transnationaler Identität, Heimat in der Diaspora, Heimat als Ort des Angekommen-Seins, Heimat als romantisches Phänomen, Geistheimat, Körperheimat, Heimat als örtliches Paradigma, bürokratische Zugehörigkeiten. Politisches und angeborenes Heimatterritorium. Warum und wann ist Heimat wichtig? Wie entwickeln wir Heimat? Ist Heimat planbar?

Neben den sehr subjektiven Prägungen von Heimat-Begrifflichkeiten sehen wir uns mit einer Fülle von Bedeutungen und Definitionen und deren Widersprüchlichkeiten konfrontiert. Gleich über welchen Weg der Betrachtung, sie alle führen uns immer zu dringenden Identitätsfragen der Menschheit.

Das Verständnis von Begriffsdefinitionen im jeweiligen Betrachtungskontext (national, kulturell, individuell, ...) divergiert hinsichtlich des Bedeutungsfeldes HOME sehr stark. Zwischenmenschliche Versuche des Diskurses und der Ausverhandlung von Herausforderungen, die zur Konkretisierung einer einzigen Definition oder eindeutigen Präzisierung von „Heimat“ führen sollen, verwirren oft noch mehr oder erzeugen Widerstände und Missverständnis, anstatt die erhoffte Klarheit zu etablieren.

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DAS BEDEUTUNGSFELD HOME

HOMEFULL Methodology verwendet HOME als stellvertretende Metapher für ein Bedeutungsfeld, das all die unterschiedlichen Aspekte umfasst, die wir je nach kultureller Sprachcodierung und Verständniskontext in Begriffen und Definitionen für spezifischere Begrifflichkeiten und Bedeutungszuschreibungen finden.

Mit HOME als Metapher öffnet HOMEFULL Methodology zunächst einen hybriden Raum, in welchem Identität in einem systemisch-transkulturellen Feld über Wert- und Bedeutungszuschreibungen neu erfahren werden können.

HOME dient als Metapher für das Leben als struktureller Organismus, in dem die Grundphänomene des Sichbegegnens, des Sichortens und des Sichzeitigens, in einer holistischen Annäherung zu Identität, zusammen betrachtet werden.

BEZUGSRAHMEN FÜR BEDEUTUNG & WERT

Im Rahmen der HOMEFULL Methodology werden über Methoden wie 10 Senses Of Home oder Das systemische Dorf Bezugspunkte und Bedeutungsparameter zwischen Vergangenheit und Zukunft eruiert und verknüpft. Wirksame Kräfte hinter Bedeutungszuschreibungen, die vor allem die kulturelle Heimat definieren, werden identifiziert, um individuelle wie gesellschaftliche Zusammenhänge besser erkennen zu können. Über dieses Erkennen kann eine Bewusstwerdung eines Status Quo und eine Real-Verortung über das hybride Feld HOME ermöglicht werden.

Im Universum unendlicher Möglichkeiten ist hinsichtlich klarer Begriffsdefinitionen, die neben der Aufweichung dieser, die als Erinnerungen an klare Regeln und Zustände aus übersichtlicheren Zeiten zusehends aufgeweicht werden und damit Ankerpunkte für Orientierung verschleiern oder verhindern, ist eine vielfache Ohnmacht in der Gesellschaft erkennbar, wenn es darum geht uns selbst in dieser Welt zu begreifen. Wie beim Wandern oder dem Besuch einer fremden Stadt: Wenn ich weiß, wo ich stehe, von wo aus ich gehe, wenn ich mein nächstes Umfeld erkennen kann, Orientierungspunkte ausmachen und meine Ausrüstung wie auch meine Ressourcen einschätzen kann, und wenn ich etwas habe, auf das ich vertrauen kann, ist ein offenes Interesse an der Welt und damit ein bewusstes Mit-Wirken zur eigenen und zur gesellschaftlichen Lebensgestaltung leichter.

Nur: Worauf heute vertrauen, wenn vieles Altbekannte im Umbruch oder in Auflösung begriffen ist? Die Heimat als kongruenter Lebens-, Wohn- und Kulturraum schwindet, ist jedoch als Bezugsrahmen für Identität notwendig. Was kann uns heute oder morgen als vertrauensstiftender Bezugsrahmen dienen, in welchem wir soziale Bindeglieder zur Gestaltung einer kulturellen Heimatlandschaft als realen Ausdruck für eine inklusive Entwicklung der Menschheit über Interaktion und Kommunikation verwirklichen können?

»Heimat ist notwendig klein, weil sie nur dann sich […] zu jener völligen Vertrautheit öffnet, in der Menschen als beheimatet, sich geborgen fühlen wissen« .
— (zit. nach Bastian, 1995, S. 34)
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Steht Heimat im Widerspruch zu einer Haltung, die wir als Mensch im Zeitalter weltweiter Vernetzung durch Globalisierung und Digitalisierung einnehmen (müssen)?

Können wir uns nur aus einem Gefühl der Sicherheit heraus weiter entwickeln?

Können globale Probleme, die sich in persönlichen Herausforderungen als „realer“ entpuppen als auf abstrakt wirkender Metaebene, vielleicht sogar Chancen für die Entwicklung eines kollektiven, neuen Mindsets sein?

PoP - POINT of PARTICIPATION*

Das hybride Feld HOME spannt sich inklusiv über konkrete PoP - Points Of Participation - manifestierte Raummomente des In-Beziehung-Seins – und individuelle als auch gesellschaftliche Entwicklungswege und begleitet am Heimweg zu HOME als gelebter Praxis.

Innerhalb dieses Feldes ermöglichen die HOMEFULL Methodology-Methoden, den eigenen Vertrauensraum synonym für die persönliche Komfortzone in Wechselwirkung mit herausfordernden Momenti als Chance für Entwicklung und Lernen zu erleben. Ziel von Interventionen im Rahmen der HOMEFULL Methodology ist, die persönliche Handlungs- und Entscheidungskompetenz zu erweitern. Wozu? Damit im Spannungsfeld zwischen Widersprüchen wie Nähe und Ferne, Begrenzung und Offenheit, Geborgenheit und Fremde, Sicherheit und Zerstörung und in einer Welt, in welcher mögliche Konfrontationen mit dem Unbekannten, dem Unsicheren, dem Ungewissen und dem Fremden nicht zu Stagnation oder zur Ohnmacht, sondern zum gemeinschaftlichen kooperativen Gestalten vitaler und konvivialer Lebenswelten und vielleicht auch zu einem mit neuer Bewusstheit gelebten Heimatraum führt.

*Copyright Elisabeth Handl 2018

DIE HOMEFULL METHODEN

Die HOMEFULL Methoden 10 Senses Of Home und Das systemische Dorf dienen zur Verortung identitätsstiftender Parameter von Ideen, Individuen und Gruppen auf ihrem Entwicklungsweg. Durch neue Betrachtungsperspektiven können individuelle Einsichten wie auch ein gemeinsames Gruppenverständnis für aktuelle oder vergangene Situationen, Herausforderungen und das Wirken unterschiedlicher Faktoren im Zusammenhang gewonnen werden. durch Darstellung der aktuellen Situation zwischen Vergangenheit und Vision im jeweiligen Ökosystem.

10 SENSES OF HOME

Dieser Kanon aus zehn definierten Senses Of Home katalysiert Herausforderungen und Potentiale.

Als narrative Methode ermöglicht 10 SENSES OF HOME über reflexive Perspektiven einnehmende Fragestellungen das Erkennen und das Verorten von Bedürfnissen, Zielen und Absichten in ihren wechselwirkenden Zusammenhängen mit persönlichen oder systemischen Prägungen. Die Methode verbessert das Verstehen der eigenen Identität, indem es identitätsstiftende Parameter narrativ im Kontakt erlebbar macht.

10 SENSES OF HOME ist darüber hinaus ein neuer Zugang, um in interkulturellen Kontakt-Situationen über eine disruptive Art der Begegnung Kontakt mit anderen oder mit Unbekanntem aufzubauen. Klassische Definitionen zu Identität rücken in dern Hintergrund. Im Vordergrund des Interesses stehen Bezugssysteme, die neue Räume für Wert- und Bedeutungszuschreibungen öffnen.

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10 SENSES OF HOME

SENSE of VITALITY

SENSE of BELONGING

SENSE of PLACE

SENSE of TIME

SENSE of POWER

SENSE of DISTINCTION

SENSE of BELIEVE

SENSE of CULTIVATION

SENSE of CURIOSITY

10  Senses of Home – Anwendungsmöglichkeiten

Diese narrative Methode des Fragenstellens ermöglicht das Erkennen von Blind Spots und schlummernder Potentiale. Als qualitative Beobachtung von komplexen Situationen kann ein besseres Verstehen des IST-Zustandes und damit eine Entfaltung in vertrauensvollem Rahmen ermöglicht werden.

  • Menschen, die sich selbst und anderen jenseits der klassischen Fragestellungen begegnen wollen ;)

  • Evaluierung eines Feldes von Gemeinsamkeiten in Situationen interkultureller Begegnungen

  • Menschen, die sich bewusst auf den Weg der Persönlichkeitsentwicklung machen

  • Reflexion für Prozesse in Projekten

  • Mitarbeitergespräche

  • Projekte im Bereich Customer Experience

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Identitätsstiftende Wesentlichkeiten und Wertschöpfungsprozesse

werden in der 2017 von Elisabeth Handl entwickelten Methode Das Systemische Dorf als soziale Phänomene entlang archaisch-systemischer Felder als PoP - Points of Participation - lokalisiert.

DAS SYSTEMISCHE DORF bietet einen Bezugsrahmen, um das Zusammenwirken von identitätsstiftenden Parametern (für Individuen, Gemeinschaften, Firmen, Produkte und Ideen) in Wechselwirkung mit sozialen Ökosystemen als lebendigen Organismus zu verstehen.

In einer Art „Anamnese“ wird eine Status Quo von Individuen, von Gruppen aber auch von Projekten oder Ideen hinsichtlich ihrer identitätsbildenen Aspekte, bewusster und unbewusster PoP und ihrer, das System aufrechterhaltenden Regeln, als Kulturbild dargestellt. Dies unterstützt die Entwicklung und Gestaltung einer Roadmap, jenes Weges von der aktuellen Situation zu einer gewünschten „Soll-Situation“. Im persönlichen wie im professionellen Alltag kann DAS SYSTEMISCHE DORF genutzt werden, innerhalb von Entwicklungsprozessen eine aus der aktuellen Situation heraus ein systemisch-dynamisches Bild zu generieren. Dieses Bild kann im Verlauf des weiteren Entwicklunsgweges als Referenz für das Verstehen und Gestalten von HOME als ökonomisches Ausgleichsprinzip zu Rate gezogen werden.

Die Klarheit über Werte, für welche die Mitglieder einer Gruppe einstehen, was sie zusammenhält, wie und wodurch das Zusammenwirken geregelt ist, wie diese Regelungen entschieden werden und wie sie mit Regelverstößen umgehen, führt zu einem besseren Verständnis der tatsächlich aktiv gelebten Kultur und jener die angestrebt wird, bzw. der Dissonanz dieser beiden Realtäten.

  • Ideen

  • Projekte

  • Gruppen/ Organisationsformen

  • Produktentwicklungen

  • Produktionskreisläufe

  • Bio-Psycho-Soziales Umfeld eines Menschen

Die Felder im Systemischen Dorf

GASTHAUS Welchen Stellenwert hat Kontakt, Achtsamkeit und Austausch, und wie wird dieser gestaltet?

PoP für Vitalität (Nahrung, Schlaf, Schutz, Neuigkeiten, Kontakt, Handel); Interface und PoP für Begegnung mit Fremden

MITGLIEDER Wer/was ist Teil der Gruppe/ des Vorhabens?

DORFPLATZ Wie und wofür gestalten und nutzen wir Momente des inoffiziellen und des offiziellen Zusammenkommens?

Versammlungsort für Gruppenmitglieder und Repräsentationsort für die Gruppe/ das Vorhaben

RAT-HAUS Wem oder was vertrauen wir als Gruppe?

Sitz der Weltanschauung und der Geisteshaltung als Regulativ für die Gruppe (und deren Vorhaben); PoP der Entscheidungsfindung, der Werte, der Regeln einer Gruppe und der Strukturen wie auch Rollen einer Gruppe

 

HAUS DER TRANSFORMATION Wie gestalten wir in unserer Community die Aufnahme von Neuem, Transformation, Verabschiedungen und/ oder Loslösung?

PoP der Registrierung; PoP der rite of passage

 

 

WERK- UND WIRKSTÄTTE Was ist unser (Lösungs-)Beitrag/ Mehrwert als Gruppe für unsere Gruppe und/ oder für die andere?

 

RESSOURCEN Worauf können wir zur Aufrechterhaltung und zur Entwicklung unserer Gruppe/ unseres Vorhabens zurückgreifen?

Immaterielle und materielle Energie (Menschen, Mittel und Quellen, Methoden, Technik, Zeit, Wissen, Erfahrung usw.)

 

GRENZE Was bildet die Identitätsgrenze der Gruppe/ des Projektes?

Ausschlusskriterien, differenzierende Regeln und Konsequenzen

SCHWELLE Was brauche ich von/ was will ich außerhalb des Dorfes?

Wen will ich (mit meinem Beitrag, dem der Gruppe) außerhalb des Dorfes erreichen? Regeln, offizielle und inoffizielle, die das das Funktionieren einer friedlichen Transition/ eines energieeffizienten, nachhaltigen und friedlichen Schwellenübergangs bestimmen oder verhindern.

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DIE SCHWELLE

POINT OF PARTICIPATION zur gemeinsamen Verhandlung und Gestaltung von Handlungs- und Entscheidunsgräumen

Die Methode DAS SYSTEMISCHE DORF basiert auf dem Ansatz zyklischer Entwicklungsphasen kultureller Systeme. Durch die Bewusstwerdung über das Zusammenwirken einzelner Faktoren, die für sozioökonomische Strukturen maßgeblich sind, können wir unser Selbstverständnis als Einzelperson und als Gruppe stärken. Wir gewinnen Klarheit über einzelne Rollen, Aufgaben, Kompetenzen und deren jeweilige Verortung im Großen Ganzen. Um dies zu ermöglichen ist im Systemischen Dorf das Feld der Schwelle eine wesentliche Komponente.

Unsere Identitätsaspekte definieren ein Selbstverständnis innerhalb der Summe wahrnehmbarer Realitäten als einen Rahmen, innerhalb dessen uns eine Verortung unserer selbst möglich wird und in weiterer Folge unseren Handlungs- und Entscheidungsraum über dieses Verständnis bildet. Die Schwelle ist jener Bereich, über die wir als durch die Grenze der Identität Wesen mit der uns umgebenden Außenwelt in Kommunikation sind, bewusst und unbewusst. Sie ermöglich Kontakt mit anderen Wesen und die Interaktion sozialen Systeme mit anderen sozialen Ökosystemen. Die Regelungen dieser Kommunikation über die Schwelle bestimmen unsere systeminterne und darüber hinaus die trans-systemische Lebendigkeit über Wechselwirkungen. Verdichten wir die Schwelle zu einer absoluten Abgrenzung über zu lange Zeit und schaffen für ein System absolute Isolation, hat dies ein Aushungern zur Folge. Diese Abschottung hat jegliche Form von Durchlässigkeit für Austausch und Wechselwirkung eingebüßt. Das Prinzip des Austauschs wird hier in einem systemischen Kontext des Ausgleiches verstanden und als dieser in die Betrachtungen miteinbezogen. Über unsere Grenzen kann Kontakt mit unserem Ökostystem entstehen. Der Moment, an dem wir Wechselwirkung zulassen und gemeinsam einen Austausch partizipieren definiert den Point of Participation, die Schwellen.

Auf die Beachtung der SCHWELLE legt DAS SYSTEMISCHE DORF besonderen Wert, da über diese erkannt werden kann, in welchen Wechselwirkungen Identität (einer Idee, eines Mensch, einer Gruppe) als gesellschaftsbildender Faktor mit anderen Communities und deren Systemischen Dörfern steht. In unserer globalisierten, hoch vernetzen Welt herrscht eine dichte Vielfalt von Identitäten, tradierten Bedeutungsparametern und ein wahrnehmbar lauter werdendes Ringen um Wert- und Bedeutungsparadigmen, die das Meistern einer unbekannten Zukunft zu ermöglichen versprechen. Um panikartige Schüsse ins eigene Knie zu verhindern, hilft das Verstehen, dass dicht geschlossene „Dörfer“ zur Stagnation neigen. Öffnen wir ein System über Übergänge, erkennen wir, diese folgen formellen oder auch informellen Regeln. Wenn wir an dern Schwellen Kollisionen und damit Energieverlust vermeiden wollen, brauchen wir als in ein gemeinsames Verständnis für diese Regeln innerhalb der Gruppe und auch mit anderen Gruppen. Die Grenzen, die wir zur Wahrnehmung von HOME und Identität als vertrauensbildenden Rahmen brauchen, können auch als Schwellen-verbindendes Netzwerk respektvoller und wertschätzender Interaktionen gelebt werden. Interaktion wird in diesem Kontext als jegliche Form von Kommunikation verstanden.

Anwendungsmöglichkeiten von DAS SYSTEMISCHE DORF

  • Persönlichkeitsentwicklung

  • Intensiviert das Verständnis von Rollen und unterschiedlichen Kompetenzen in Teams/Communities

  • Entwicklung oder Evaluierung von Vision und Mission von Unternehmungen

  • Konzeption von Customer Journeys

  • Organisationsstruktur und Organisationskultur

  • Fördert Verständnis für sozioökonomischen Wandel durch Beobachtung der Marko- und Mikrowelten